Archäologie zum Mitmachen

Das Hügelgräberfeld von Lang

Eisenzeitliche Bestattungssitten der Steiermark

Archäologie zum Mitmachen

Die österreichische Steiermark ist nahezu übersät mit Hügelgräberfeldern aus der Hallstatt- und Römerzeit. Besonders bekannt ist die Siedlung und die Totenstadt von Kleinklein, wo heute noch fast 1.000 Gräber bestaunt werden können. Unweit dieses Zentrums, auf einem Höhenrücken am westlichen Mur- bzw Laßnitztal, liegt die Grabhügelgruppe von Lang, der im Jahr 2021 ein neues Forschungsprojekt gewidmet wird.

Hallstattzeitliches Gräberfeld

12 Hügel sind im Gelände noch einigermaßen erkennbar. Diese stammen wohl aus der eisenzeitlichen Hallstatt-Periode. Doch zwischen den Hügeln wurden überraschenderweise einige Flachgräber aus der späteren Latènezeit entdeckt - für die Fachwelt eine durchaus bedeutende Entdeckung, denn bisher ging man davon aus, dass die Belegung der Gräberfelder im 5. Jhdt. v. Chr endet. Nun sucht das Archäologenteam nach den Gräbern aus der frühesten Latènezeit, um so neues Licht auf die "Keltisierung" der Steiermark werfen zu können.

Archäologie zum Mitmachen
Das zentrale Hügelgrab im Gräberfeld von Lang

Abenteuer Archäologie - An einer Ausgrabung teilnehmen

Fünftägige Kurstermine:

MO 10. Mai - FR 14. Mai 2021
Anreise am Vorabend empfohlen! 

 

Kursbeitrag pro Person:

ab 6 Personen: € 800,-

bis max. 10 Personen

 

Im Beitrag ist eine Spende von € 200,- enthalten, die dem Forschungsprojekt überreicht wird und der Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit dient.

 

Nicht enthalten ist:

  • Eigenanreise nach Lang
  • Unterkunft (Wir nächtigen in Frühstückspensionen in näherer Umgebung. Gerne geben wir dir Empfehlungen für die Buchung!)
  • Transporte vor Ort - wir bilden Fahrgemeinschaften!

WOCHENEND' IM DRECK:

Zweitägige Schnuppergrabung:

SA 15. - SO 16. Mai 2021

 

Kursbeitrag pro Person:

ab 6 Personen: € 350,-

bis max. 10 Personen

 

Im Beitrag ist eine Spende von € 150,- enthalten, die dem Forschungsprojekt überreicht wird und der Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit dient.

 

Nicht enthalten ist:

  • Eigenanreise nach Lang
  • Unterkunft (Wir nächtigen in Frühstückspensionen in näherer Umgebung. Gerne geben wir dir Empfehlungen für die Buchung!)
  • Transporte vor Ort - wir bilden Fahrgemeinschaften!

 

Was beinhaltet der Kurs?

 

5 Tage archäologisches Lehrprogramm, bestehend aus:

  • Mitarbeit an der Ausgrabung in Lang
  • Intensive Einschulung zum Projekt und zu Ausgrabungen im Allgemeinen sowie in div. archäologische Methoden
  • Eine geführte Exkursion am Nachmittag/Abend durch ein hallstattzeitliches Gräberfeld
  • Betreuung durch die Archäologen des Vereins und das lokale  Team
  • Alle benötigten Werkzeuge
  • Hilfe bei der Kursvorbereitung (Anreise, Unterkunft) 

Kursleitung:

Mag. Florian Mauthner (ASIST)

Klaus Schindl BA (Erlebnis Archäologie)

Anita Soos BA (Erlebnis Archäologie)

 

Hinweis:

Dieser Kurs ist keine Fachveranstaltung für Studierende der Archäologie, sondern für alle freiwilligen Teilnehmer frei zugänglich. Es werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt.

 


Das Gräberfeld von Lang

Bisherige Forschungen

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Bergung eines keltischen Flachgrabes in Kleinklein

Noch steht die Forschung ganz am Anfang, denn bisher ist über die Datierung des Hügelgräberfeldes wenig herausgefunden worden. Erstmals durch eine Feldbegehung beschrieben wurde die Fundstelle im Jahr 1987. Bis zu den ersten kleinen Sondagen mussten noch 13 Jahre vergehen.

 

2010 führte Mag. Andreas Bernhard im Auftrag des Burgmuseum Archaeo Norico erste wissenschaftliche Grabungen an zwei Stellen im Gräberfeld durch. Allerdings nicht an den Hügelgräbern, sondern in zwei freien Zwischenflächen. Überraschenderweise fand sich in beiden Schnitten ein latènezeitliches Flachgräberfeld.

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Eines der Flachgräber aus Lang

Insgesamt wurden drei Flachgräber im Block geborgen (ausgestellt im Burgmuseum Deutschlandsberg), vier weitere, nahe an der Oberfläche des Waldbodens anstehende, dokumentiert und in den Geländeplan einbezogen.

 

Flachgrab 1 beinhaltet ein eisernes Schwert mit grazilem Flügelknauf samt Scheide und einen Leichenbrandbehälter (bzw Urne) aus organischem Material. Innerhalb der organischen Urne fand sich eine Lanzenspitze, ein Schildbuckel, eine Schwertkette und eine Eisenfibel. Anhand der Funde war eine Datierung in LT C1, also das frühe 3. Jhdt. v. Chr. möglich, was auch mit den restlichen Funden übereinstimmt.

 

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LiDAR-Scan des Hügelrückens. In der Mitte gut sichtbar liegt Hügel 10.

Das Gräbelfeld, das aus zwei Gruppen mit jeweils 6 Tumuli besteht, liegt auf einem langgezogenen und schmalen Hügelrücken. Richtung Osten fällt das Gelände steil zur Mur hin ab. Der westliche Hang ist etwas sanfter, eignet sich dennoch nicht zum Siedeln, was die Nutzung des Ortes, der ohne Bewaldung gute Weitsicht bietet, als gut sichtbares Gräberfeld logisch erscheinen lässt. Denkbar ist auch das Bestehen eines alten Weges, entlang welchem die Gräber aufgereiht wurden, der auch heute noch sichtbar ist - ohne dies wissenschaftlich belegen zu können, ergäbe das durchaus Sinn, angesichts des oft sumpfigen Mur-/Laßnitztals, das an dieser Stelle womöglich schlecht zu durchqueren war.

 

Die kleineren Gräber sind selten höher als einen halben Meter erhalten und weisen geringe Durchmesser von 6 - 10 Meter auf. 

Aus der Reihe tanzt Hügelgrab 10 mit rund 23 Metern Durchmesser und gut zwei Meter Höhe.

 

Am Fuße des größten Hügels wird ein latènezeitliches Wagengrab vermutet (Teile davon wurden bereits bei früheren, unauthorisierten Ausgrabungen geborgen), welches - sofern sich die Annahme bewahrheitet und die Zugehörigkeit der Funde aus der älteren Grabung festgestellt werden kann - für die archäologische Erforschung der Eisenzeit Österreichs eine wichtige Rolle spielen kann.

 

Des weiteren wird vom Burgmuseum Deutschlandsberg behauptet, dass einige der kleineren Grabhügel latènezeitlich belegt sind. Bisher wurden aus dieser Periode keine Hügelgräberbestattungen bekannt. Man geht im Allgemeinen von einer Unterbrechung der Bestattungsweise in Hügeln aus, die erst in römischer Zeit wieder einsetzt. Andere vermuten hier eine klaffende Lücke im Forschungsstand, zu dessen Schließung diese Grabung beitragen könnte. Des weiteren könnte ein derartiger Fund die Diskussion zu den sogenannten "Keltenwanderungen" wieder in Gang bringen, denn eine Fortführung hallstattzeitlicher Traditionen würde gegen die Einwanderung neuer Bevölkerungsgruppen sprechen - was naheliegend ist, wenn man die Lage der latènezeitlichen Gräber innerhalb der älteren Gräberfelder aus der Hallstattzeit betrachtet, wie etwa in Lang oder am Pommerkogel von Kleinklein.

 

 

Quelle: Bernhard 2012: A. Bernhard, Neu erforschte latènezeitliche Gräber in der Gemeinde Lang, KG Schirka, VB Leibnitz, Schild von Steier 25/Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark 58, Graz 2012, 10 ff.