Wo ein Bad, da auch eine Siedlung

Abenteuer Archäologie

Jüngste Forschungen in Mühldorf im Mölltal - Aktivurlaub Archäologie

 

Es war im Jahr 1898, als im Kärntner Mölltal ein römisches Badehaus freigelegt wurde. Über fast 300 m² erstreckte sich diese große Anlage. Untersuchungen im Umland blieben aus, bis 2017 ein neues Forschungsprojekt ins Leben gerufen wurde.

Stefan Pircher, der an der Universität Innsbruck Archäologie studierte, wurde von seiner Lebensgefährtin auf diese archäologischen Reste aufmerksam gemacht, die seit den Ausgrabungen 1898 nur wenig Erwähnung in der Fachwelt fanden. Kurzerhand wurde ein Projektantrag gestellt und die an das Bad angrenzenden Grundstücke mittels geophysikalischen Prospektionsmethoden untersucht, bei denen Grundrisse von sieben bis acht neuen Gebäuden entdeckt werden konnten.

Im Frühjahr 2018 begann man mittels Ausgrabungen den Erhaltungszustand der Badeanlagen zu prüfen und durch weitere Sondagen mehr über die römische und vorrömische Besiedlung des heutigen Ortes Mühldorf herauszufinden.

Römische Ausgrabung zum Mitmachen

Dreitägiger Grabungskurs von Erlebnis Archäologie

Dreitägiger Kurstermin: 

MI 16. - FR 18. Oktober 2019

Anreise am Vortag empfohlen!

 

Zusatz: Ein Wochenend' im Dreck

SA 19. - SO 20. Oktober 2019

 

Kursbeitrag pro Person:

ab 6 Personen € 550,-

ab 8 Personen € 510,-

bis max. 10 Personen € 450,-

 

Im Beitrag ist eine Spende von € 200,- enthalten, die dem Forschungsprojekt überreicht wird und der Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit dient.

 

NICHT enthalten ist:

  • Eigenanreise nach Mühldorf 
  • Unterkunft (gerne organisieren wir dir eine kostengünstige Nächtigungsmöglichkeit oder ein gemeinsames Quartier mit dem gesamten Team)
  • Transporte vor Ort - wir bilden Fahrgemeinschaften
    (unser Team verfügt über ein Fahrzeug mit 4 Sitzplätzen, das zum Transport dient. Zusätzlich organisieren wir Fahrgemeinschaften für alle Teilnehmer und ersuchen um Angabe bei der Anmeldung, ob du dein Fahrzeug dafür zur Verfügung stellst.)

Was beinhaltet der Kurs?

 

3 Tage archäologisches Lehrprogramm, bestehend aus:

  • 3 Tage Mitarbeit an der Ausgrabung in Mühltal
  • Intensive Einschulung zum Projekt und zu Ausgrabungen im Allgemeinen sowie in div. archäologische Methoden
  • Workshops zu Dokumentation, Fundbestimmung und Fundzeichnung
  • Betreuung durch die Archäologen des Vereins und das lokale  Team
  • Alle benötigten Werkzeuge
  • Hilfe bei der Kursvorbereitung (Anreise, Unterkunft)

Anreise am Vorabend wird empfohlen!

 

Kursleitung:

Stefan Pircher MA (Grabungs- und Projektleitung)

Klaus Schindl BA (Erlebnis Archäologie)

 

Wichtiger Hinweis:
Alle TeilnehmerInnen sind verpflichtet, Sicherheitsschuhe mit Stahl- oder Hartplastikkappe zu tragen, da eine Ausgrabung nach österreichischem Recht wie eine Baustelle behandelt wird. Ohne entsprechendes Schuhwerk kann die Mitarbeit untersagt werden. Entsprechende Produkte kann man ab € 25,- im lokalen Baumarkt oder zB bei Amazon beziehen. Solche Schuhe sind angenehm zu tragen und werden dir auch abseits der Grabung dienlich sein!


Bisherige Grabungsergebnisse - Abenteuer Archäologie

Römische Ausgrabung Kärnten - Abenteuer Archäologie
Abb. 1: Luftaufnahme des Mölltales im Jahre 1935.

Nach den erfolgreichen geophysikalischen Messungen, die 10 - 11 mögliche weitere Gebäude ersichtlich machten, begannen im Frühling 2018 die ersten Ausgrabungen.

Die Grabungsfläche liegt auf einer natürlich hochwassergeschützten Talebene, etwa 20 m über dem Fluss Möll - ein bestens geeigneter Platz, um eine Siedlung anzulegen. In Sichtweite befinden sich die römische Stadt Teurnia sowie ein vermuteter Kultplatz auf dem Danielsberg. Doch ein Umstand gibt der Forschung noch ein Rätsel auf: Die Siedlung liegt auf der Schattenseite des Tales, woraus eine geringe Zahl an Sonnenstunden vor allem in den Wintermonaten resultiert. Alte Karten der Region zeigen an dieser Stelle zwei Brücken über den Fluss Möll, die zur Fundstelle führen. Diese Tatsache weist auf eine noch unbekannte Besonderheit des Platzes hin.

Welche Tätigkeit bildete die wirtschaftliche Grundlage für diese Siedlung, wenn ein intensive Feldwirtschaft aufgrund fehlender Sonneneinstrahlung nicht möglich war? Eine mögliche Antwort könnte der Abbau von Edelmetallen sein, der in der Gegend noch im Mittelalter betrieben wurde. Unweit der Grabungen finden sich Flurnamen wie "Schatzkogel" oder "Verlassenes Silberbergwerk", die diese Vermutung unterstützen. Vier Bergwerksgruben sind in den geologischen Karten des Landes Kärnten und in der Josephinischen Landesaufnahme verzeichnet.

Bei römischer Grabung mitmachen
Abb. 2: Radarmessungen auf der Flur Haselangerwiese.

 

Die Badeanlage

 

2018 fanden an zwei Stellen archäologische Untersuchungen statt. Der erste Grabungsschnitt konzentrierte sich auf die etwa 300 m² große Badeanlage (Gebäude A in Abb. 2), die bereits 1898 teilweise freigelegt worden war. Im Grabungsbericht war die Rede von 1,7 m hoch erhaltenem Mauerwerk, Wandverkleidungen aus dunkelgrünem Tonschiefer und auch von Überresten einer Wannenkonstruktion in der nach Südwesten orientierten Apsis des Gebäudes. Letztere soll mit Steinbalken eingefasst gewesen sein und eine ca 2,3 x 1,6 m große und 9 cm dicke Platte aus blassrötlichem Granit als Bodenbelag aufgewiesen haben. Abgedichtet wurde die Wanne durch eine rote Betonschicht zwischen den Plattenfugen. Ebendiese rötliche, stark mit Ziegelsplitt versetzte Schicht war der letzte Rest dieser Wannenkonstruktion, der bei den Ausgrabungen 2018 dokumentiert werden konnte.

Der Fußboden der Anlage wurde von neun 60 x 60 cm großen Pfeilern getragen, die den Raum des Hypokaustums bildeten, der mit einer Höhe von 0,77 m rekonstruiert werden konnte. Der Boden des Hypokaustum war mit einem Estrich versehen, an dem zum Teil noch Rußrückstände vorhanden waren.

 

 

Abb. 3: Grundriss des Badegebäudes aus den Grabungen i, Jahr 1898.
Abb. 3: Grundriss des Badegebäudes aus den Grabungen i, Jahr 1898.

Aus der nahegelegenen römischen Stadt Teurnia ist ein Grundriss einer Badeanlage bekannt, die mit jenem Befunde aus Mühldorf vergleichbar ist. Beide weisen mehrere Räume mit Fußbodenheizung und zwei Apsiden im Bereich des Caldariums (Warmbad) und Frigidariums (Kaltbad).

 

Die Entstehung der Anlage in Mühldorf wird frühestens um die Mitte des 2. Jhdt. n. Chr. angenommen.

Bei Ausgrabung selbst mitmachen
Abb. 4: Grabungsfoto von Raum A.

Abb. 5: Gebäude B.
Abb. 5: Gebäude B.

Ein weiterer Grabungsschnitt wurde im Bereich des Gebäudes B (Abb. 2) begonnen, das einen Grundriss von 11,2 x 10,5 m aufweist. Bei der Ausgrabung würde der nordwestliche Bereich untersucht, an dem zwei Bauphasen festgestellt werden konnten.

Im größeren Raum, der aus der ersten Bauphase stammt, fand sich ein Estrichboden, dessen Oberfläche geschwärzt war. Abgedeckt wurde dieser durch eine stark mit Holzkohle durchsetzten Schicht, die den Zeitpunkt der Zerstörung durch Schadfeuer markieren könnte und zusätzlich Eisenteile enthielt, du zur zusammengestürzten Dachkonstruktion gehören könnten.

 

Als Besonderheit für Gebäude B ist die zweiphasig ausgeführte Wandmalerei anzuführen, die aus floralem und ornamentalem Dekor bestand und somit die Nutzung als Wohngebäude logisch erscheinen lässt.

Die jüngere zweite Bauphase scheint den zentralen 8 x 8 m großen Raum um einen L-förmigen Korridor im Norden und Osten zu erweitern. Parallelen zu diesem Befund sind aus den vici von Kalsdorf, Saaz und Gleisdorf bekannt.

 

Im Jahr 2019 werden die Forschungsarbeiten an den umliegenden Gebäuden weitergeführt. Nutze diese Gelegenheit, um die Archäologen eine Woche lang bei den Arbeiten zu begleiten und zu unterstützen! Bei Fragen zur Grabung stehen wir dir gerne zur Verfügung.

 

 

 

 

 

Copyright Fotos: Stefan Pircher, Universität Innsbruck