Neumarkt/Pfongau

Ein römisches Landgut bei Salzburg

Seit nunmehr 10 Jahren laufen die Forschungen am römischen Landgut von Neumarkt/Pfongau. Die Ergebnisse sind mehr als zufriedenstellend für die Projektleiter Dr. Raimund Kastler (Landesarchäologie Salzburg) und Dr. Felix Lang (Universität Salzburg), die gemeinsam mit ihren Studierenden viel Energie in das Projekt gesteckt haben. Doch alle guten Dinge kommen zu einem Ende: 2019 findet die letzte Grabungskampagne statt. Danach ist der gesamte bebaute Bereich des Landgutes erforscht, dadurch zerstört und in einigen Jahren darauf wohl auch überbaut, denn der Grund wird in Bauland umgewidmet.

 

Wenig war über die provinziellen Bauformen in römischer Zeit bekannt, bis die Forschungen in Neumarkt/Pfongau begannen. Der Wissensgewinn über derartige Anlagen, manchmal auch als Villae Rusticae bezeichnet, war enorm. Teil des Projektes war auch die Erforschung weiterer römischer Gutshofanlagen im Salzburger Raum mittels zerstörungsfreien Methoden, wie Georadar und Magnetfeldmessungen. Heute zählt Anlage von Neumarkt/Pfongau zu den am besten erforschten im Voralpenraum. 


Kurstermin:

MI 10. - FR 12. Juli 2019

 

Kursbeitrag pro Person:

ab 5 Personen € 560,-

ab 6 Personen € 530,-

ab 7 Personen € 510,-

bis max. 8 Personen € 490,-

 

Im Beitrag ist eine Spende von € 200,- enthalten, die an das Forschungsprojekt überreicht wird und der Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit dient.

 

NICHT enthalten ist:

  • Eigenanreise nach Salzburg
  • Unterkunft (gerne organisieren wir dir eine kostengünstige Nächtigungsmöglichkeit oder ein gemeinsames Quartier mit dem gesamten Team)
  • Transporte vor Ort - wir bilden Fahrgemeinschaften
    (unser Team verfügt über ein Fahrzeug mit 4 Sitzplätzen, das zum Transport dient. Zusätzlich organisieren wir Fahrgemeinschaften für alle Teilnehmer und ersuchen um Angabe bei der Anmeldung, ob du dein Fahrzeug dafür zur Verfügung stellst.)

Hinweis:

 

Dieser Kurs ist keine Fachveranstaltung für Studierende der Archäologie, sondern für alle freiwilligen Teilnehmer frei zugänglich. Es werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt.

Was beinhaltet der Kurs?

 

3 Tage archäologisches Lehrprogramm, bestehend aus:

  • Mitarbeit an der Ausgrabung in Neumarkt/Pfongau
  • Intensive Einschulung zum Projekt und zu Ausgrabungen im Allgemeinen sowie div. archäologische Methoden
  • Workshops zu Dokumentation und Fundbestimmung 
  • Betreuung durch einen Archäologen des Vereins und das lokale Team
  • Alle benötigten Werkzeuge
  • Hilfe bei der Kursvorbereitung (Anreise, Unterkunft)
  • Diese Grabung ist eine spezielle Ausbildungs-Lehrgrabung für Studierende. Teilnehmer dieses Kurses haben die Möglichkeit davon direkt zu profitieren und einen besonderen Einblick in Grabungsmethodik und neueste Dokumentationsmethoden zu bekommen.

 

Kursleitung:

Dr. Raimund Kastler MAS (Landesmuseum Salzburg)

Dr. Felix Lang (Universität Salzburg)

Klaus Schindl BA (Erlebnis Archäologie)

 

Wichtiger Hinweis:
Alle TeilnehmerInnen sind verpflichtet, Sicherheitsschuhe mit Stahl- oder Hartplastikkappe zu tragen, da eine Ausgrabung nach österreichischem Recht wie eine Baustelle behandelt wird. Ohne entsprechendes Schuhwerk kann die Mitarbeit untersagt werden. Entsprechende Produkte kann man ab € 25,- im lokalen Baumarkt oder zB bei Amazon beziehen. Solche Schuhe sind angenehm zu Tragen und werden dir auch abseits der Grabung dienlich sein!


Plan der Grabungen 1988/89, 2008 - 2010 und den umgezeichneten Ergebnissen der geophysikalischen Prospektion vor den bis 2018 andauernden Grabungen. KASTLER 2010.
Plan der Grabungen 1988/89, 2008 - 2010 und den umgezeichneten Ergebnissen der geophysikalischen Prospektion vor den bis 2018 andauernden Grabungen. KASTLER 2010.

Die vergangenen 10 Jahre an Forschungsarbeit an der Villa Rustica von Neumarkt/Pfongau erbrachten wesentliche Erkenntnisse hinsichtlich römischer Landwirtschaft in den nördlichen Provinzen. Dennoch steht die Forschung in diesem Bereich erst relativ weit am Anfang.

 

Bekannt ist die Fundstelle bereits seit dem 19. Jahrhundert, als man noch von Mauerzügen mit Gesträuchbewuchs und Mosaikfunden berichtete. Seither wurde großer Schaden durch Steinraub, Landwirtschaft und ein massiver Eingriff durch Planierraupen in den 1960ern angerichtet. Letzteres Vorhaben könnte das Fehlen eines zentralen Hauptgebäudes erklären, was allerdings noch nicht bewiesen werden konnte.

 

1988/89 kam es zu den ersten Rettungsgrabungen im Zuge der Vergrößerung eines Wirtschaftsgebietes, das heute weite Teile der ehemaligen Villa Rustica überdeckt. Dabei konnte ein Gebäude mit zwei Räumen, wovon einer hypokaustiert war, freigelegt und dokumentiert werden.

 

Im Jahr 2001 wurde das nördlich anschließende Gelände geophysikalisch untersucht und eine Reihe von potentiellen Gebäuden erkannt, die in den folgenden Jahren zur Gänze untersucht werden sollten.

Grundrisspläne verschiedener römischer Landgüter aus der Umgebung von Neumarkt. TRAXLER 2010.
Grundrisspläne verschiedener römischer Landgüter aus der Umgebung von Neumarkt. TRAXLER 2010.

Durch die geophysikalischen Prospektionen ließ sich erkennen, dass es sich um einen für die Gegend typischen Streubauhof handelt, also zahlreiche Gebäude mit unterschiedlicher Funktion über ein Gelände verteilt, das mit einer einfachen Mauer oder Heckenbewuchs begrenzt ist. Die Ähnlichkeit dieser Anlagen norischen Wirtschaftsraum ist erstaunlich - es handelt sich scheinbar um ein bewährtes Konzept.

 

Schließlich begannen im Jahr 2008 die bis heute andauernden Grabungen. Die Forschungen werden in einer Zusammenarbeit von Stadtgemeinde Neumarkt, Museum Fronfeste, Universität Salzburg, Fachbereich Altertumswissenschaften, Klassische und Frühägäische Archäologie und dem Salzburg Museum / Landesarchäologie durchgeführt und gemeinsam finziert. Seither wurden die Reste von fünf weiteren Gebäuden freigelegt, die jeweils unterschiedliche Funktionen hatten. Aufgehendes Mauerwerk war nicht mehr erhalten, lediglich die bis zu 0,8 m tiefen Fundamente aus großen Flusskieseln. Die Zwecke der Bauten konnten zum Teil bestimmt werden - Unterkünfte für Tagelöhner und Gesinde, eine Wagenscheune und auch eine Darre konnten nachgewiesen werden.

 

Spuren älterer Siedlungen traten immer wieder zutage. Gräber aus der späten Eisenzeit, der Latènezeit und auch aus der Bronzezeit sind bekannt.

Bronzefigürchen der Thetis, die den kleinen Held Achill in den Fluss Styx hält. Entdeckt bei den Ausgrabungen in Neumarkt im Jahr 2017. Foto: Landesmuseum Salzburg
Bronzefigürchen der Thetis, die den kleinen Held Achill in den Fluss Styx hält. Entdeckt bei den Ausgrabungen in Neumarkt im Jahr 2017. Foto: Landesmuseum Salzburg

Der Zweck einer solchen Villa Rustica war die Versorgung der Städte und auch Truppen mit Lebensmitteln. So wurde das fruchtbare Land aufgeteilt und von zahlreichen solcher Anlagen bewirtschaftet. Die Betreiber waren, soweit bekannt, einflussreiche Bürger aus den Städten, Händler oder Politiker. Einzelne Funde, die eindeutig auf Wohlstand schließen lassen, sind bei den Grabungen entdeckt worden. Beispielsweise Salbgefäße, Teile von Silbergeschirr, Architekturelemente oder auch kleine Bronzeplastiken - die bereits länger bekannte Venus von Neumarkt und der jüngste Fund einer Figur, die möglicherweise zeigt, wie der kleine Held Achill von seiner Mutter Thetis in den Fluss Styx gehalten wird, um ihn dadurch unverwundbar zu machen. Die rund 6 cm große Figur war wohl Teil eines Möbelbeschlages. Noch ist die Figur einzigartig - bisher ist keine dreidimensionale Darstellung dieser Szene aus der Antike bekannt. Zahlreiche weitere Neufunde wie ein antikes Schwert mit Teilen der Scheide,Schreibgriffel, sowie drei große römerzeitliche Backöfen bieten neue Informationen zum Leben auf dem Lande in der Römerzeit.

Arbeiten im Jahr 2012.
Arbeiten im Jahr 2012.
Die Grabungen im Jahr 2014.
Die Grabungen im Jahr 2014.
Es wird am Befund des Ziegelofens gearbeitet. 2012.
Es wird am Befund des Ziegelofens gearbeitet. 2012.

 

Die Grabungen im Juli 2017 fanden im südlichen Abschnitt des zentralen Hofgeländes statt. In diesem Bereich wurde nach Vergleichen mit baulich ähnlich angelegten römerzeitlichen Gutshöfen im Umfeld von Iuvavum (Salzburg) noch ein großes Wohn-/ und Wirtschaftsgebäude vermutet. Es wurden erstmals in Pfongau Teile eines der Hauptgebäude der Villenanlage aufgedeckt. In den freigelegten Räumen fanden sich noch Reste einer verkohlten hölzernen Türschwelle, mit Resten des Türrahmens und zahlreiche Eisenbeschläge der Türe in Originallage. Aus dem Gebäude stammen zahlreiche weitere Funde, wie Fensterglas und Toilettgerät, die einen herausgehobenen Status belegen. 

 

Arbeiten an der Schürgrube eines oberirdisch nicht mehr erhaltenen Backofens im Jahr 2017.
Arbeiten an der Schürgrube eines oberirdisch nicht mehr erhaltenen Backofens im Jahr 2017.

Bereits in den Anfangsjahren der Grabung wurden drei große Ziegelbrennöfen entdeckt. Diese sind von großer Bedeutung, da sie einen Hinweis auf die wirtschaftliche Tätigkeit neben der Landwirtschaft hinweisen. Vermutlich wurden diese Öfen von Wanderarbeitern angelegt, die für ihre Tätigkeit von den Besitzern des Landgutes angemietet wurden, um Baumaterial herzustellen. In diesem Zeitraum erhielten Sie Kost und Unterkunft gestellt und mussten ein Produktionsziel erreichen. Wurde dieses Ziel überschritten, konnte die Überproduktion zugunsten der Arbeiter am Markt, zB in Iuvavum, angeboten werden.

 

Die Ergebnisse der Forschung sind durchaus beeindruckend. Neumarkt/Pfongau zählt nun zu den wenigen Anlagen, die vor ihrer Zerstörung beinahe in ihrer Gesamtausdehnung archäologisch untersucht werden konnten und nimmt gerade deshalb eine wichtige Rolle in der Forschung zur römerzeitlichen Besiedlung und wirtschaftlichen Tätigkeit im heutigen nördlichen Voralpenraum ein.

 

Wenn auch du die weitere Forschung unterstützen möchtest und eine spannende Woche auf einer archäologischen Ausgrabung, zwischen Archäologen, Studierenden und Freiwilligen verbringen möchtest, dann begleite uns nach Salzburg!

 

 

Quellen:
KASTLER 2010
R. Kastler/F. Lang/T. Wilfing/W. Wohlmayer 2012, Das Projekt Villa rustica Neumarkt-Pfongau I - Ein Zwischenbericht. Konvergenzen und Divergenzen von Geophysik und Ausgrabung. In: F. Lang et al, Schriften zur Archäologie und Archäometrie der Paris Lodron-Universität Salzburg, Band 3: Stadt, Land, Fluss/Weg. Aspekte zur römischen Wirtschaft im nördlichen Noricum, S. 61 - 66.

 

TRAXLER 2010

Grafiken: S. Traxler, R. Kastler 2010, Römische Guts- und Bauernhöfe in Nordwest-Noricum. Gehöftstrukturen, Wohn- und Badegebäude. In: Fines Transire. Jahrgang 19, 2010. Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen/Oberösterreich, S. 235.

 

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