keltische Ausgrabung bei Köln

Erlebnis Archäologie

Spätlatènezeitliche befestigte Siedlung von Kerpen-Manheim

Faszination Kelten in Deutschland

 

Das letzte Jahrhundert vor der Zeitenwende brachte große Veränderungen für weite Teile der Bevölkerung Europas mit sich. Cäsars Gallien-Feldzug ist nach wie vor ein hochinteressantes Thema, das viele Archäologie-begeisterte beschäftigt. Doch sind viele Fragen weiterhin offen, die nur durch archäologische Ausgrabungen beantwortet werden können. Etwa, wie weit in den Norden Europas die Ereignisse der Kampagne in der Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus auch in Siedlungen fassbar sind, die nicht im direkten Kriegsgebiet lagen. Neben anderen, wird man auch dieser Frage bei dem 2020 beginnenden Forschungsprojekt an der befestigten Flachlandsiedlung von Kerpen-Manheim in der Nähe von Köln nachgehen.

 

Die Archäologen der Uni Köln und Erlebnis Archäologie freuen sich auf deine Teilnahme bei dem bis 2022 andauernden Forschungsprojekt!

Ausgrabung Kelten
Luftbild der keltischen Siedlung Kerpen-Manheim. Die dunklen Linien im Feld sind ein Teil der Verteidigungsgräben. Quelle: Grünewald i.Vorb.

Kelten in Westdeutschland - Erlebnis Archäologie - Ausgrabungskurse

Kurstermine:

SO 6. - FR 11. September 2020 - AUSGEBUCHT

 

Zusatztermin:
SO 13. - FR 18. September 2020

Sonntag ist als Anreisetag vorgesehen!

 

Kursbeitrag pro Person:

ab 6 Personen € 980,-

bis max. 8 Personen € 890,-

 

Im Beitrag ist eine Spende von € 300,- enthalten, die an das Forschungsprojekt überreicht wird und der Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit dient.

 

Nicht enthalten ist:

  • Eigenanreise nach Kerpen-Manheim (Abholung von einem lokalen Bahnhof nach Absprache möglich)
  • Unterkunft:  Es kann privat oder bei Bedarf gemeinsam mit der Gruppe genächtigt werden. Reserviert wird im Hotel Alt-Hürth, von dem aus wir sowohl schnell bei der Grabung, als auch in Köln und Bonn sind.
  • Transporte vor Ort: Wir bilden Fahrgemeinschaften. Der Verein übernimmt die Absprache unter den Teilnehmern.

Hinweis:

Dieser Kurs ist keine Fachveranstaltung für Studierende der Archäologie, sondern für alle freiwilligen Teilnehmer frei zugänglich. Es werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt.

Was beinhaltet der Kurs?

 

Intensives archäologisches Programm, bestehend aus:

  • Mitarbeit an der Ausgrabung Kerpen-Manheim
  • Eine nachmittägliche/abendliche Exkursion zu archäologischen Fundstellen/Museen in der Umgebung
  • Intensive Einschulung zum Projekt und zu Ausgrabungen im Allgemeinen sowie div. archäologische Methoden
  • Workshops zu Dokumentation und Fundbestimmung 
  • Betreuung durch einen Archäologen des Vereins und das lokale Team
  • Alle benötigten Werkzeuge
  • Hilfe bei der Kursvorbereitung (Anreise, Unterkunft)
  • Das Projekt selbst ist eine spezielle Ausbildungs-Lehrgrabung für Studierende.  Auch unsere Teilnehmer haben die Möglichkeit davon direkt zu profitieren und einen besonderen Einblick in Grabungsmethodik und Dokumentationsmethoden zu bekommen.

 

Kursleitung:

Ing. Stefan Pircher MA (Universität Köln)

Klaus Schindl BA (Erlebnis Archäologie)

 

 

 


Bisherige Forschungen an der keltischen Siedlung

Keltische Ausgrabung

Die ca 2,3 ha große Freilandsiedlung konnte bisher nur in kleinen Teilen ergraben werden. Aufgrund der fortschreitenden Zerstörung durch den Braunkohle-Tagebau hat man sich nun für eine flächendeckende Ausgrabung in drei Saisonen von 2020 - 2022 entschieden, die von der Universität Köln durchgeführt werden wird. Für Studierende wird dies eine Möglichkeit sein, an einer Ausbildungsgrabung teilzunehmen. Auch Freiwillige Archäologie-Enthusiasten sind herzlich willkommen, an den Forschungen teilzuhaben und so mehr über die archäologische Feldarbeit und spannende Zeit ab dem letzten Jahrhundert vor Christus zu erfahren.

 

Bei den bisherigen Grabungen von 2017 wurden Teile des Umfassungsgrabens und der dichten Innenbebauung dokumentiert, die in die späteste Phase der Eisenzeit (Stufe LT D1/2) datiert, wobei eine fortlaufende Besiedlung bis in die frühe römische Kaiserzeit möglich ist. Unter anderem gilt es, dies bei den anstehenden Grabungen herauszufinden.

 

Erwartet werden vor allem Erdbefunde, also wiederverfüllte Gruben, Gräben, Brunnenschächte, Pfostenlöcher und -gruben, Wandgräbchen, Feuerstellen und Herde oder Materialentnahmegruben.

 

Keltische Siedlung Archäologie

Die Siedlungsform der befestigten und unbefestigten Flachlandsiedlungen ist im 1. Jahrhundert vor Christus durchaus verbreitet und mit der vollständig ergrabenen zweiphasigen Fundstelle von Niederzier-Hambach auch gut erforscht. Ebendiese Siedlung hatte vergleichbare Ausmaße, wie jene von Kerpen-Manheim, war im Innenraum dicht bebaut, mit einem doppelten Grabenring und einem Erdwall zum Schutz umgeben. Trotz der hohen Zahl von 266 identifizierten Haus- und Gebäudegrundrissen konnte keine klar gegliederte Bebauung erkannt werden, viel mehr dürfte es sich um Hofkomplexe mit Freizonen für Gärten gehandelt haben.

 

Niederzier-Hambach ist besonders durch den Depotfund dreier goldener Ringe oder Reife und 46 Goldmünzen bekannt geworden, die um etwa 60 v. Chr. in den Boden gelangt sind und dem Stamm der Eburonen aufgrund der Münzbilder zugeordnet werden. Ungeklärt ist der Zeitpunkt des Wüstfallens der Siedlung, der aber nicht mit einer Zerstörung in Zusammenhang gebracht wird. Als gesichert gilt die Nutzung der Anlage vom 2. Jhdt. v. Chr bis in die Hälfte des 1. Jhdts. v. Chr. Inwiefern der Gallische Krieg Einfluss auf das Aufgeben der Siedlung hatte, ist nicht geklärt. Einige leider wenig aussagekräftige Keramikstück deuten jedoch auf ein Weiterbestehen in die erste Hälfte des 1. Jhdts. v. Chr. hin.

 

Spannende Erkenntnisse lieferten die Ausgrabungen an einer weiteren befestigten Flachlandsiedlung in Elsdorf-Heppendorf, die ebenfalls eine ähnlich große Fläche von 2,5 ha umfasste. Neben einem großen Zentralbau, der mediterrane Einflüsse vermuten lässt, fand sich im Graben der Befestigungsanlage ein komplett erhaltenes römisches Kurzschwert mit Kampfspuren, das auf eine Auseinandersetzung von Caesars Truppen mit der lokalen Bevölkerung hindeuten könnte.

Keltische befestigte Siedlung
Plan der Ausgrabungen im Jahr 2017 in Kerpen-Manheim. Quelle: Grünewald i.Vorb.

Kerpen-Manheim selbst wurde im Zuge der Vorbereitungsarbeiten für die Erweiterung des Tagebaugebietes Hambach 2017 in einem kleinen Teil ausgegraben, woraufhin das nun folgende Projekt zur vollflächigen Ausgrabung initiiert wurde. Durch die Ausgrabungen von 2017 konnte Befestigung mit Wall und Graben sowie eine Toranlage dokumentiert und ein Blick auf die dichte Bebauung geworfen werden. Dabei wurden mindestens acht Gebäude, ein Ofen und mehrere altere Befunde aus der Spätbronze- und Eisenzeit entdeckt. Die bisherige Datierung der jüngsten Phase erfolgte anhand weniger Keramikbruchstücke sowie durch einen Basalt-Mühlstein in die Phasen Latène D1 und D2 mit Übergang in die frühe römische Kaiserzeit, der auch eine Münze des Mark Anton aus 32/31 v. Chr. zugehörig ist.

 

Ziel des Forschungsprojektes ist die Beantwortung folgender Fragen:

 

Siedlungsstruktur: Wie genau schaut die Befestigung aus? Wie ist der Graben ausgehoben, wie ist er gewartet und wie bzw. wann ist er verfüllt worden? Wie genau schaut der Wall aus? Gibt es Anzeichen von Binnenstrukturen oder vorgelagerten Palisaden? Lassen sich Toranlagen identifizieren? Wie schauen die Häuser aus? Erkennbare Maßsysteme? Wie sind die Häuser gruppiert? Hofkomplexe/Einzelbauten? Gibt es Zeichen gemeinsamer Organisation/Verwaltung? Sonderbauten für sakrale oder elitäre Zwecke? Wasserver- und entsorgung? Platzanlagen? Organisiertes Wegesystem?

 

Siedlungsdauer: Wieviel Siedlungsphasen sind zu unterscheiden? Wann beginnt die späteisenzeitliche Besiedlung, wann endet sie? Gibt es datierende Elemente, die eine Kontinuität bis in die frühe Kaiserzeit belegen? Wie lassen sich naturwissenschaftliche und historisch-antiquarische Datierungsmethoden am besten kombinieren?

 

 

Siedlungsbewohner: Gibt es in den Siedlungsstrukturen oder im Fundmaterial Hinweise auf die Bewohner/Innen? Sind Stammeszuweisungen möglich (Eburonen, Ubier usw.)? Lassen sich Konflikte erkennen (caesarische Eroberung-Zerstörung, frühaugusteische Neuordnung-Zuteilung der Landschaft durch Agrippa)? Lassen sich Kontinuitäten erkennen (Übergang späte Eisenzeit / frühe römische Kaiserzeit)?

 

 

Lust aufs Mitforschen?

Erlebe die Grabungen an der befestigten Großsiedlung hautnah!

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Faszination keltische Kultur

Bildquellen:

Grünewald i.Vorb.: M. Grünewald, Die befestigte Flachland-Großsiedlung von Kerpen-Manheim (Rhein-Erft-Kreis). In: Steve Bödecker, Eva Cott, Marion Brüggler, Eckhard-Deschler-Erb, Martin Grünewald, Sabine Hornung, Jennifer Morscheiser, Petra Tutlies (Hrsg.) Spätlatènezeitliche und frühkaiserzeitliche Archäologie zwischen Maas und Rhein. Beiträge zur Transformation von Landschaft und Gesellschaft. Materialien zur Bodendenkmalpflege im Rheinland 28 (Bonn i.Vorb.)

 

und
https://archaeologie.phil-fak.uni-koeln.de/en/research/research-projects/ongoing/die-befestigte-spaeteisenzeitliche-flachlandsiedlung-von-kerpen-manheim-das-rheinland-am-uebergang-von-der-praeh-zur-historie