Gergovia

Wo Cäsar scheiterte - Ausgrabungen für Freiwillige

Abenteuer Archäologie in Frankreich

 

In den vergangenen Wochen des Frühlings im Jahre 52 v.Chr. haben die Soldaten der römischen Legionen ein Netzwerk aus Lagern und Laufgräben um das riesige Plateau von Gergovia, wo sich das Oppidum der Arverner befand, aus dem Boden gestampft. Doch ein Teil der Stadt, der Zugang über ein an der Westseite gelegenes Hochplateau, konnte nicht befestigt und die Stadt somit nicht von der Versorgung abgeschnitten werden - dies und der gescheiterte Angriff auf das Haupttor der Stadt werden den Feldherren Julius Cäsar zum Rückzug zwingen.

 

Heute ist das Plateau von Gergovia praktisch unbesiedelt. Ein schöner Naturpark, in dem die Franzosen am Wochenende ihre Freizeit verbringen und das Denkmal des Vercingetorix besuchen, der einst die gallischen Stämme gegen Cäsar zusammenführte. Neben einem großen Parkplatz befindet sich die Ausgrabung, die von Dr. Peter Jud, einem Schweizer Archäologen, seit 2013 geleitet wird und deren Ziel die Entdeckung des Haupttores der Stadt war - und dies ist bereits gelungen.

Gergovia Ausgrabung Freiwillige

Ausgrabungen für Freiwillige in Frankreich

Kurstermin:

SA 22.8. - SA. 29.8.2020 

 

Der erste und letzte Kurstag sind jeweils als An/Abreisetag  vorgesehen. 

 

Kursbeitrag pro Person:

ab 6 Personen € 790,-

 

Im Beitrag ist eine Spende von € 300,- enthalten, die an das Forschungsprojekt überreicht wird und der Fortführung der wissenschaftlichen Arbeit dient.

 

NICHT enthalten ist:

  • Eigenanreise nach Clermont Ferrand
  • Unterkunft (Nächtigung in Clermont Ferrand. Gerne reservieren wir ein Hotel für dich!)

Was beinhaltet der Kurs?

 

Archäologisches Lehrprogramm, bestehend aus:

  • 5 Tage Mitarbeit an der Ausgrabung in Gergovia
  • Intensive Einschulung zum Projekt und zu Ausgrabungen im Allgemeinen sowie in div. archäologische Methoden
  • Mindestens eine Exkursion (1 Tag) zu historischen und prähistorischen Fundstellen
  • Workshops zu Dokumentation, Fundbestimmung und Fundzeichnung
  • Betreuung durch die Archäologen des Vereins und das lokale französisch/schweizerische Team
  • Alle benötigten Werkzeuge
  • Hilfe bei der Kursvorbereitung (Anreise, Unterkunft)
  • Alle Transporte vor Ort

 

Kursleitung:

Dr. Peter Jud (Grabungs- und Projektleitung)

Klaus Schindl BA (Erlebnis Archäologie)

 

Hinweis:

Dieser Kurs ist keine Fachveranstaltung für Studierende der Archäologie, sondern für alle freiwilligen Teilnehmer frei zugänglich. Es werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt.


Bisherige Forschungen in Gergovia

Teilnahme von Laien

Archäologische Ausgrabungen fanden bisher in verschiedensten Teilen des Plateaus statt - zum Teil mit guten Ergebnissen, doch kam es nicht zur Entdeckung des großen Tores, von dem in Caesars Gallischem Krieg die Rede ist. 

Die nennenswertesten Maßnahmen umfassen die Ausgrabung eines Gallorömischen Tempelkomplexes im Jahr 2006, die sogenannte "Villa Aucler" in den 1930ern und die Grabungen der Universität Wien an den Befestigungsanlagen des Plateaus, die bis in die beginnende Hallstattzeit zurückreichen. Alle angegebenen Links führen zur Internetpräsenz der "Association du Site de Gergovie", wo du eine Vielzahl weiterführender Informationen erhältst.

 

Gergovia ARGE Archäologie

Im Jahr 2013 kam es schließlich zur Entdeckung des großen Haupttores durch Peter Jud und sein Grabungsteam. Die Anlage liegt am tiefsten Punkt des Plateaus, zu dem noch heute ein Weg nach oben führt. Am Rande des Plateaus gab es bereits frühere Versuche, eine Toranlage zu finden, was jedoch nicht gelang. Die logische Schlussfolgerung von Peter Jud war, dem alten Zugangsweg weiter ins Innere des Plateaus zu folgen und so schlussendlich - früher oder später - auf das Tor zu stoßen. 

Wie es der Zufall wollte, kamen in einer ersten Sondage 2013 große Steine zum Vorschein, die eine Mauerfront bildeten. Nur war es allen klar: Die Torfront ist tatsächlich ins Innere des Plateaus zurückversetzt, um einen Vorhof zu bilden, der von der Befestigungsmauer umschlossen ist, um den angreifenden Feind unter Beschuss nehmen zu können. Eine Idealrekonstruktion der Anlage findest du auf der Internetseite der Association du Site de Gergovie: klick

 

 

Wo Cäsar scheiterte - Abenteuer Archäologie

Ausgrabung Freiwillige Frankreich
Copyright Peter Jud

Bis 2015 konzentrierten sich die archäologischen Maßnahmen auf den nun neu entdeckten Torbereich, um die Gesamtsituation besser verstehen zu lernen. Die Hauptstraße und deren Durchlass konnte weiter verfolgt werden und deren Bauphasen aufgrund zahlreicher Münz- und Fibelfunde gut rekonstruiert werden. Das Tor selbst war in Form eines Zangentores ausgeführt, dessen hölzerner Aufbau anhand der gefundenen Pfostenlöcher rekonstruiert werden konnte. Gleich im Anschluss an die linke Torflanke befand sich ein Turm, der den Beschuss des Feindes aus höherer Position ermöglichen sollte.

 

Hinter dem Torbereich fanden sich zahlreiche Siedlungsreste aus der Zeit nach dem gallischen Krieg sowie ein mit großen Steinen gepflasterter Bereich, der möglicherweise als Tempel diente. Eine vergleichbare Situation konnte auch am Oppidum Titelberg in Luxemburg festgestellt werden. 

 

Der genaue Verlauf der Mauerflanken, die den Vorhof umschlossen, konnte bisher noch nicht zur Gänze festgestellt werden. Die rechte Seite wird womöglich zu großen Teilen bereits durch den Bau der modernen Straße und frühere Ackertätigkeit zerstört worden sein.

Gergovia Gallischer Krieg Mitforschen
Copyright Terres Anciennes

Da bisher kaum Aussagen über den inneren Aufbau der Stadt Gergovie zu Zeiten des Gallischen Krieges getroffen werden konnten, legte man Sondageschnitte im Zentrum an. Hier fanden bereits in den 1980ern kleinere Ausgrabungen statt, an deren Befunde man anschließen wollte. Die Überraschung war groß, als man dann 2016 einen 120 m langen und 25 m breiten gepflasterten Platz fand. Die Pflasterung selbst war aus riesigen Basaltblöcken ausgeführt, die am Rande des Plateaus gebrochen und unbearbeitet verbaut wurden - ein enormer Aufwand, angesichts der Größe von 30 - 50 cm und mehreren hundert Kilo pro Stein.

 

Zahlreiche Suchschnitte im Umfeld des großen Platzes ergaben ein sehr ähnliches Bild: gepflasterte Plätze, Gräben und einige Pfostenlöcher. Glücklicherweise fanden sich auch einige Münzen, die eine zeitliche Einordnung in die Zeit kurz vor dem Gallischen Krieg ermöglichen. 

 

Die Architektur Gergovias ist für seine Lage relativ weit im Norden durchaus außergewöhnlich. Man errichtete die Befestigungen in massiver Trockenmauertechnik, was sonst eher ein Phänomen der Küstenregionen des Mittelmeerraumes ist. Im Binnengebiet Europas sind sonst Holz-Erde-Konstruktionen üblich, zB. der sogenannte Murus Gallicus. Ebenso ist die Pflasterung großer Flächen unüblich und orientiert sich klar nach südlichen Vorbildern.

 

In Zukunft wird man sich weiter der genaueren Erforschung des Torbereiches und dem Aufbau der urbanen Strukturen widmen. Es bleibt spannend!

Der Projektleiter Dr. Peter Jud arbeitet bereits am Grabungsbericht der Saison 2018, der im Laufe des nächsten Jahres als Zusammenfassung auf der Seite der Association du Site de Gergovie zu finden sein wird.

 

Copyright Fotos und Plan: Terres Anciennes und Peter Jud

Bleib dran, weitere Berichte über die Grabungen, unseren Kurs und den Gallischen Krieg folgen in den nächsten Wochen!

Fotos der Ausgrabungen für Freiwillige in Gergovia